Therapiemethoden

I. Analytische Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen

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Die Fragen eines Kindes sind schwerer zu beantworten, als die Fragen eines Wissenschaftlers.
— Alice Miller

Eine psychische Störung ist das Ergebnis eines inneren unbewussten Konfliktes. Dieser Konflikt konnte von der Psyche nicht bewältigt werden. Das Kind versucht, ihn unbewusst innerlich durch verschiedene Mechanismen und Verhaltensweisen abzuwehren, z.B. durch Aggression, Trotzverhalten oder Essprobleme. Jedoch wird der Konflikt dadurch nicht aufgelöst, sondern bleibt weiterhin im Kind präsent, wo er das Fühlen und Denken und vor allem die Beziehungen, die das Kind oder der Jugendliche eingeht, weiter beeinflusst und prägt.

 

In der Therapie steht somit der aktuelle innere Konflikt im Zentrum. Dabei kann der Fokus auf einen bestimmten gegenwärtigen Problembereich gerichtet werden, der aktuell zu Beschwerden, Krankheitserscheinungen und Symptomen geführt hat. Oder aber der Fokus liegt auf seelischen Erkrankungen und Problemen, die die psychische Struktur des Kindes oder Jugendlichen betreffen. Diese pathologischen Strukturen können Kinder oder Jugendliche im Hier und Jetzt daran hindern, ihre jeweiligen und notwendigen altersspezifischen Entwicklungsaufgaben zu bewältigen. In dem geschützten therapeutischen Raum wird der Therapeut versuchen, diese seelischenErkrankungen und Probleme zu ergründen und zu verstehen. Indem der Patient mit Hilfe des Therapeuten eine Einsicht in seine innerseelischen Strukturen und Probleme gewinnt, kann an dem Konflikt gearbeitet werden, um psychische Gesundheit wieder herzustellen. 

Jedoch gibt es altersbedingte Unterschiede im therapeutischen Vorgehen bei Kindern und Jugendlichen.

In der analytischen Jugendlichenpsychotherapie bilden die verbale Intervention und die freie Assoziation die zentralen Verfahren. Unter freier Assoziation ist zu verstehen, dass der Jugendliche frei und ohne Zensur die Gedanken äußert, die ihm gerade in den Sinn kommen. Unter therapeutischer Anleitung  soll der Jugendliche in der Therapie "in sich hinein blicken" können und somit die Fähigkeit zur Introspektion gewinnen, um eigene Gefühle, eigenes Denken und eigenes Erleben wahrnehmen zu können und ursächliche und auslösende Zusammenhänge verstehen und einordnen zu lernen. Dies führt zu einer besseren Verarbeitung, einer inneren Entlastung und zur Auflösung der Symptomatik.

In der Kinderpsychotherapie liegt dagegen der Fokus – natürlich abhängig vom Alter des Kindes – imtherapeutischen freien Spiel und dem Gestalten (z.B. Zeichnen oder Modellieren). Diese Methoden stellen dabei ein Äquivalent zur freien Assoziation in der Therapie von Jugendlichen dar. Das freie Spiel gilt als Königsweg, das heißt als die herausragende Methode, die psychisch belasteten Kindern hilft, sich emotional zu stabilisieren, eine gesunde Entwicklung einzuschlagen und traumatische Erlebnisse zu bewältigen. Dies kann aber nur auf der Basis einer tragenden, vertrauensvollen, Schutz gebenden Beziehung zwischen Patient und Therapeut geschehen. Erst wenn das Kind sich sicher und akzeptiert fühlt, kann es auch wagen, sich mit angstmachenden Erlebnissen zu konfrontieren. 

Durch das freie Spiel, in dem die einzelnen Spielsachen die Worte des Kindes und das Spiel die Sprache des Kindes ist, aber auch durch das Medium des freien Gestaltens, drückt das Kind seine inneren Befindlichkeiten aus, „erzählt“ von den Dingen, die es innerlich beschäftigt. Der Therapeut fängt dies auf, kann es reflektieren und in Worte fassen. Dieses positive Verhältnis, das während des Spiels zwischen dem Therapeuten und dem Kind entsteht, stellt eine korrigierende emotionelle Erfahrung für das Kind dar. Dieses Erfahren der therapeutischen Reaktionen und Emotionen ist notwendig für die kindliche Selbstentwicklung. Darüber hinaus fördern diese korrigierenden Erfahrungen die kognitive Entwicklung des Kindes, machen es kompetenter im Umgang mit seinen inneren Konflikten und reduzieren dysfunktionale Denkmechanismen.

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II. Klientenzentrierte Spieltherapie

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Psychotherapie hat mit zwei Menschen zu tun, die miteinander spielen.
— Donald W. Winnicott

In der Spieltherapie wird dem Kind die Möglichkeit gegeben, schwierige Situationen zu verarbeiten, verborgene Fähigkeiten zu nutzen und eine innere Sicherheit zu gewinnen. Hat das Kind mehr Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit erlangt, sind die Weichen für eine gesunde Entwicklung gestellt. 

Die non-direktive Spieltherapie ist als Kurzzeittherapie konzipiert, die sich an Kinder richtet, die signifikante Traumatisierungen erfahren haben.

Gemäss Virginia Axline, einer der Begründerin dieses Ansatzes, hängt die Geschwindigkeit der therapeutischen Effekte, d.h. wie schnell Kinder positiv auf die spieltherapeutischen Massnahmen zu reagieren beginnen, u.a. von ihrem Alter ab. So können bei Kindern bis zu 6 Jahren im Durchschnitt erste positive Veränderungen nach 4 Wochen beobachtet werden und signifikante Veränderungen nach 2-4 Monaten. Bei Kindern im Alter von 10-12 Jahren werden hingegen leichte Verbesserungen nach 4-8 Wochen und deutliche erst nach 4-15 Monaten ersichtlich. 

Das therapeutische Spiel nutzt die große Kraft des Spiels für die Entwicklung der kindlichen Persönlichkeit. Dabei wird der Beziehung zwischen Therapeut und Kind die wichtigste Bedeutung zugeschrieben. Das Kind soll in gutem Kontakt zum Therapeuten sein, sich angenommen und akzeptiert fühlen und den Freiraum verspüren, sich entfalten zu können. 

Das klientenzentrierte Menschenbild geht davon aus, dass in uns allen eine Kraft zur Entfaltung innewohnt, sich wohlzufühlen, gesund zu sein, sich zu erleben und zu entdecken. Diese Kraft wird auch als Selbstaktualisierungstendenz bezeichnet. 

Eingebettet in genügend Freiraum, Schutz, Orientierung, Motivation, Liebe, Wertschätzung und Beziehung kann das Kind zum selbständigen, gesunden, sozialen und mit sich zufriedenen Erwachsenen werden. Fehlen solche Faktoren, beispielweise durch traumatische Erfahrungen, sind das Gleichgewicht und die gesunde Tendenz zur Selbstentfaltung gestört. 

Spielen schafft Beziehung, was für die Therapie bedeutet, dass das Kind mit dem Therapeuten im Spiel in Kontakt tritt, aus dem sich im weiteren Verlauf eine Beziehung entwickelt. Dieser Beziehungsaspekt ist einer der wichtigsten in der Persönlichkeitsentwicklung des Kindes und findet auch in der klientenzentrierten Spieltherapie Beachtung. Es geht also immer darum, das Spiel als die Sprache des Kindes zu nutzen, eine gute Beziehung zum Kind aufzubauen, in Kontakt zu kommen, echt, wertschätzend, empathisch, wach, aufmerksam und interessiert zu sein, darauf zu vertrauen, dass die Seele des Kindes gesund sein möchte und nach offenen Türen sucht, um sich frei und unbeschwert entwickeln zu können. 

Der Therapeut verhält sich dem Kind gegenüber empathisch und begegnet ihm mit unbedingter Wertschätzung. Wie sich das Kind im Moment fühlt, was es tut oder denkt, ist Ausdruck seines wirklichen Erlebens und ist wichtig. Diese Verhaltensweisen werden vom Therapeuten wohlwollend akzeptiert und nicht bewertet. Die Wertschätzung wird dem Kind nicht unter einer Bedingung zu teil ("nur wenn du gehorsam bist, ruhig bist, ... mag ich dich"), sondern ohne Bedingung, wirklich un-bedingt. 

Da es sich um einen non-direktiven Therapieansatz handelt, wird der Therapeut versuchen, die Handlungen des Kindes oder dessen Gesprächsthemen nicht zu beeinflussen. Das Kind weist den Weg, während der Therapeut ihm folgt. Grenzen werden nur dort gesetzt, wo diese notwendig sind, um die Therapie in der Wirklichkeit zu verankern.


III. Psychopharmaka

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Inside each child there is a story to be told – a story that no-one else has yet had time to listen to.
— Donald W. Winnicott

Einer zu schnellen und ausschließlichen Verordnung von Psychopharmaka stehe ich grundsätzlich eher kritisch gegenüber. Dies soll aber nicht heissen, dass ich im Einzelfall die Verabreichung eines Medikaments nicht doch als sinnvoll und notwendig erachte. Denn bei zu belastenden Symptomen, wie beispielweise einer depressiven Störung, ist eine psychotherapeutische Behandlung manchmal erst mit Hilfe von Psychopharmaka möglich. 

Eine Medikation sollte jedoch ausführlich mit dem Kind, den Eltern und dem Kinderarzt/Kinderpsychiater besprochen werden und nicht die einzige Behandlung sein und bleiben.

Sollte bei Ihrem Kind eine medikamentöse Behandlung angezeigt sein, werde ich für Sie gerne einen Termin bei der die Praxis leitenden Kinder- und Jugendpsychiaterin vereinbaren.