Therapiemethoden

II. Klientenzentrierte Spieltherapie

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Psychotherapie hat mit zwei Menschen zu tun, die miteinander spielen.
— Donald W. Winnicott

In der Spieltherapie wird dem Kind die Möglichkeit gegeben, schwierige Situationen zu verarbeiten, verborgene Fähigkeiten zu nutzen und eine innere Sicherheit zu gewinnen. Hat das Kind mehr Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit erlangt, sind die Weichen für eine gesunde Entwicklung gestellt. 

Die non-direktive Spieltherapie ist als Kurzzeittherapie konzipiert, die sich an Kinder richtet, die signifikante Traumatisierungen erfahren haben.

Gemäss Virginia Axline, einer der Begründerin dieses Ansatzes, hängt die Geschwindigkeit der therapeutischen Effekte, d.h. wie schnell Kinder positiv auf die spieltherapeutischen Massnahmen zu reagieren beginnen, u.a. von ihrem Alter ab. So können bei Kindern bis zu 6 Jahren im Durchschnitt erste positive Veränderungen nach 4 Wochen beobachtet werden und signifikante Veränderungen nach 2-4 Monaten. Bei Kindern im Alter von 10-12 Jahren werden hingegen leichte Verbesserungen nach 4-8 Wochen und deutliche erst nach 4-15 Monaten ersichtlich. 

Das therapeutische Spiel nutzt die große Kraft des Spiels für die Entwicklung der kindlichen Persönlichkeit. Dabei wird der Beziehung zwischen Therapeut und Kind die wichtigste Bedeutung zugeschrieben. Das Kind soll in gutem Kontakt zum Therapeuten sein, sich angenommen und akzeptiert fühlen und den Freiraum verspüren, sich entfalten zu können. 

Das klientenzentrierte Menschenbild geht davon aus, dass in uns allen eine Kraft zur Entfaltung innewohnt, sich wohlzufühlen, gesund zu sein, sich zu erleben und zu entdecken. Diese Kraft wird auch als Selbstaktualisierungstendenz bezeichnet. 

Eingebettet in genügend Freiraum, Schutz, Orientierung, Motivation, Liebe, Wertschätzung und Beziehung kann das Kind zum selbständigen, gesunden, sozialen und mit sich zufriedenen Erwachsenen werden. Fehlen solche Faktoren, beispielweise durch traumatische Erfahrungen, sind das Gleichgewicht und die gesunde Tendenz zur Selbstentfaltung gestört. 

Spielen schafft Beziehung, was für die Therapie bedeutet, dass das Kind mit dem Therapeuten im Spiel in Kontakt tritt, aus dem sich im weiteren Verlauf eine Beziehung entwickelt. Dieser Beziehungsaspekt ist einer der wichtigsten in der Persönlichkeitsentwicklung des Kindes und findet auch in der klientenzentrierten Spieltherapie Beachtung. Es geht also immer darum, das Spiel als die Sprache des Kindes zu nutzen, eine gute Beziehung zum Kind aufzubauen, in Kontakt zu kommen, echt, wertschätzend, empathisch, wach, aufmerksam und interessiert zu sein, darauf zu vertrauen, dass die Seele des Kindes gesund sein möchte und nach offenen Türen sucht, um sich frei und unbeschwert entwickeln zu können. 

Der Therapeut verhält sich dem Kind gegenüber empathisch und begegnet ihm mit unbedingter Wertschätzung. Wie sich das Kind im Moment fühlt, was es tut oder denkt, ist Ausdruck seines wirklichen Erlebens und ist wichtig. Diese Verhaltensweisen werden vom Therapeuten wohlwollend akzeptiert und nicht bewertet. Die Wertschätzung wird dem Kind nicht unter einer Bedingung zu teil ("nur wenn du gehorsam bist, ruhig bist, ... mag ich dich"), sondern ohne Bedingung, wirklich un-bedingt. 

Da es sich um einen non-direktiven Therapieansatz handelt, wird der Therapeut versuchen, die Handlungen des Kindes oder dessen Gesprächsthemen nicht zu beeinflussen. Das Kind weist den Weg, während der Therapeut ihm folgt. Grenzen werden nur dort gesetzt, wo diese notwendig sind, um die Therapie in der Wirklichkeit zu verankern.