Was ist Psychotherapie?

In my early professional years I was asking the question: How can I treat, or cure, or change this person? Now I would phrase the question in this way: How can I provide a relationship which this person may use for his own personal growth?
— Carl R. Rogers

Es ist die vertrauensvolle und wertschätzende Beziehung zwischen dem Kind/ Jugendlichen und dem Therapeuten, die das Kernstück einer jeden Psychotherapie ausmacht. Ohne diese tragfähige Beziehung kann Psychotherapie nur erschwert gelingen. 

Deshalb begegne ich dem Kind/ Jugendlichen empathisch, wertschätzend, offen und respektvoll, damit das Therapiezimmer zu einem sicheren Ort werden kann, einem Ort, an dem belastende und ängstigende Phantasien, Gefühle und Gedanken geäußert werden dürfen und können. In der Therapie sollen Kinder und Jugendliche gerade auch Seiten von sich zeigen, die in anderen Zusammenhängen möglicherweise unerwünscht wären. Damit dies möglich wird, bedarf es Vertrauen. Eine vertrauensvolle Beziehung in einem sicheren Raum bietet dann die Möglichkeit für Veränderungen.

Des Weiteren ist es entscheidend, den Fokus nicht nur auf die Schwierigkeiten der Kinder und Jugendlichen zu legen, sondern auch auf ihre Ressourcen. Jedes Kind und jeder Jugendliche hat seine ganz individuellen Stärken, die es zu finden und zu nutzen gilt. Denn mit Hilfe dieser Ressourcen können Symptome, Ängste, belastende und traumatisierende Erfahrungen, sprich Probleme, gemeistert werden. 

Diese Probleme, d.h. belastende und die Entwicklung behindernde Erfahrungen, werden bewusst oder auch unbewusst vom Patienten in der therapeutischen Sitzung ausgedrückt, wodurch sie für beide, das Kind/ den Jugendlichen und mich, die Therapeutin, erfahrbar werden. 

Darüber hinaus kann es auch von Bedeutung sein nach dem „Sinn“ einer Störung zu fragen. Wie ist die Störung beispielweise entstanden? Welche Vorteile könnte die Störung eventuell für das Kind haben? Oder was macht der Jugendliche, um die Störung aufrechtzuerhalten? 

Beispielsweise kann mit der Erkrankung ein Zugewinn an Aufmerksamkeit und Beachtung durch die Umwelt verbunden sein (sekundärer Krankheitsgewinn). Oder aber die Erkrankung macht es dem Patienten möglich noch unangenehmeren Anforderungen, als die Krankheit selbst, aus dem Weg gehen zu können (z.B. Prüfungsangst). Eine Flucht in die Erkrankung verspricht also einen direkten Vorteil durch Entlastung (primärer Krankheitsgewinn).

In meiner therapeutischen Arbeit bin ich stets darum bemüht, durch systematische Weiterbildungen und fortwährende Supervisionen eine fachliche Aktualität sicherzustellen und die Qualität meiner Arbeit fortwährend zu verbessern.

Besonderheiten der Psychotherapie bei Kindern & Jugendlichen

Die Aufgaben einer Kinder- und Jugendlichentherapie bestehen vor allem darin, den Kindern und Jugendlichen dabei zu helfen, ihr psychisches Gleichgewicht, das ihnen abhanden gekommen ist, wiederzufinden.
Dabei gibt es einige Unterschiede in der Therapie mit Kindern/ Jugendlichen und der mit Erwachsenen. 

Je jünger ein Patient ist, desto entscheidender ist es, die dem Alter des Kindes entsprechende „Sprache“ zu sprechen. Was für Jugendliche und Erwachsene die gesprochene Sprache ist, ist für das Kind das Spiel. Über das Spiel kommuniziert das Kind, es bringt aktuelle oder frühere Konflikte zum Ausdruck, stellt aktuelle oder frühere Erlebnisse kreativ dar oder inszeniert Beziehungskonstellationen und -erfahrungen. 

In der Therapie steht dem Kind aber nicht nur das freie Spiel als Ausdrucksmedium zur Verfügung. Auch kreative Methoden wie das Malen, Kneten oder das Rollenspiel, manchmal mit Hilfe von Stofftieren, Handpuppen oder kleinen Figuren, finden ihre Anwendung. Nicht selten gibt das Kind Einblick in für es bedeutsame Themen, in dem es beispielweise immer wieder dasselbe Buch anschauen möchte. Etwas in der Geschichte findet im Inneren des Kindes dann seinen Widerhall. Natürlich erzählen Kinder aber auch und benutzen die gesprochene Sprache um sich auszudrücken.

Umso älter das Kind ist, umso mehr Raum nimmt das gemeinsame Beobachten oder Nachdenken ein. Dennoch ist auch dann noch das Spiel ein wichtiger Bestandteil der Therapie. 

Im Gegensatz zu Kindern drücken sich Jugendliche vor allem verbal aus. Das Gespräch steht im Vordergrund. Den Zugang zu ihrer inneren Welt erhält man durch die gesprochene Sprache. 

Einen weiteren Unterschied zur Erwachsenentherapie bildet die Rolle der Bezugspersonen. Je jünger ein Kind ist, umso wichtiger sind die Bezugspersonen und umso wichtiger ist es dann, diese in den therapeutischen Prozess mit einzubeziehen. In der Regel sind dies die Eltern, manchmal aber auch dritte Personen wie Ärzte, Erzieher, Lehrer oder Familienhelfer.

Werden Dritte in die Therapie des Kindes/ Jugendlichen miteinbezogen, muss viel Wert auf die gesetzliche Schweigepflicht gelegt werden, denn die Therapie soll den Patienten einen geschützten Raum bieten, in dem „Geheimnisse“ besprochen werden können. Manchmal müssen diese Geheimnisse auch – zumindest für eine Zeit lang – Geheimnisse bleiben dürfen. Eine Kooperation mit anderen Institutionen kann oft hilfreich und sinnvoll sein, geschieht aber immer nur nach Absprache mit der Familie. Daher werde ich als Therapeutin nur auf Wunsch der Familie und mit schriftlichem Einverständnis Kontakte mit diesen Institutionen aufnehmen. 

Es gibt jedoch eine Ausnahme, in der sich der Therapeut von der gesetzlichen Schweigepflicht distanzieren muss. Sollte der Patient eine Gefahr für sich selber oder andere darstellen, muss der Therapeut handeln, um den Patienten zu schützen. In diesem Fall kann es notwendig werden, die Schweigepflicht zu brechen. 

Die Rolle und Bedeutung primärer Bezugspersonen verändert sich im Jugendalter. Eltern spielen keine so dominante Rolle mehr. Jugendliche streben nach Autonomie und wollen sich vom Elternhaus lösen. Peers (Freunde, Gleichaltrige) werden immer wichtiger. 

Deshalb kann es sein, dass im Teenageralter die Eltern immer weniger in die Therapie miteinbezogen werden, bis letztendlich mit dem Jugendlichen alleine gearbeitet wird.

Ziel einer Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen kann es auch sein, normale Entwicklungen wieder in Gang zu setzen und dem Kind oder Jugendlichen damit die Bewältigung anstehender Entwicklungsaufgaben zu ermöglichen.

In diesem Sinne können z.B. Entwicklungsübergänge psychische Störungen auslösen. Dazu zählt beispielweise der Übergang vom Kindergarten in die Schule, die Pubertät oder die Ablösung vom Elternhaus.

Es kann aber auch sein, dass es sich bei der Symptomatik um normale Verhaltensweise handelt, die vom Kind nur verstärkt oder zeitlich verlängert gezeigt werden. Das pathologische an ihnen ist dann, dass sie länger als „normal“ auftreten oder in eine Entwicklungsphase mit hineingetragen werden, in der diese Verhaltensweisen eigentlich nicht mehr vom Kind gezeigt werden sollten.